Epic Rap Battles of überschaubare Relevanz

13. März 2017

Falls euch Epic Rap Battles nichts sagt, solltet ihr euch unbedingt hier mal ein paar anschauen. Falls doch (oder falls ihr gerade von deren YouTube-Kanal zurückgekommen seid), freut ihr euch sicher zu hören, dass ich einen mittelmäßigen Abklatsch davon auf Deutsch gemacht hab, ohne Musik und ohne Sprechgesang, aber dafür mit Martin Schulz und Angela Merkel. Viel Spaß!

(Ich hätte es eigentlich lieber vorgetragen, dann wäre auch das Versmaß klarer und alles, aber dann hab ich gedacht, wenn ich das mache, brauch ich verteilte Rollen, und einen Beat drunter, und am besten ein Video, idealerweise mit passenden Verkleidungen, und dann wurde ich ganz plötzlich sehr müde. Versucht es also bitte einfach selbst möglichst passend zu lesen, ja?)

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Zwei Beiträge zum Preis von einem oder das kleinste Restebloggen der Welt, oder wie ihr halt gerne wollt.

8. August 2016
  1. Football

Donald Trump sagt ja nun eine Menge schlechtes Zeug. Gerade deshalb sind die verzweifelten Versuche der Medien, ihn um jeden Preis schlecht dastehen zu lassen, manchmal ein bisschen beschämend mitanzusehen. Irgendwer hat kürzlich auf Twitter sehr treffend gesagt, dass unser ganzes System des politischen Diskurses nur auf Skandale und Lapsus ausgerichtet ist, statt auf Inhalte, aber ich finde den Tweet nicht wieder, weil Twitter halt. Aber darum soll es hier sowieso eigentlich gar nicht gehen, sondern um einen anderen Aspekt der ganzen Sache, den ich schon lange faszinierend finde, aber diesmal ganz besonders.

In den Wahlkämpfen um die US-amerikanische Präsidentschaft geht es ja des Öfteren mal explizit darum, wer wohl das Format hat, mit der enormen Verantwortung umzugehen, über den Einsatz nuklearer Waffen entscheiden zu dürfen. Der berühmte Anruf mitten in der Nacht, ihr kennt das. Diesmal war es Hilary Clinton, die meinte, damit etwas erreichen zu können:

„Stellt ihn euch im Oval Office vor, konfrontiert mit einer echten Krise“, rief Hillary Clinton vorige Woche bei ihrer Parteitagsrede. „Wir können einem Mann, den man mit einem Tweet provozieren kann, nicht unsere Nuklearwaffen anvertrauen.“

Sie hat damit unzweifelhaft recht. Aber andererseits hat sie nur einen Ausschnitt davon, denn ganz umfassend richtig müsste man doch unzweifelhaft sagen: Wir können überhaupt keiner einzelnen Person eine solche Entscheidungsbefugnis anvertrauen. Der Spiegel schildert in dem zitierten Artikel den Ablauf so:

Man kann sich das etwa so vorstellen: Der Präsident erfährt von einem Angriff […]In einem solchen Fall bleiben ihm für einen präventiven Gegenschlag mit einem oder mehreren der 925 nuklearen Sprengköpfe der USA höchstenfalls zwölf Minuten: So lange würden z.B. russische U-Boot-Atomwaffen brauchen, um amerikanisches Festland zu erreichen, heißt es. Aus Zeitgründen wurde die Entscheidungskette also dramatisch verkürzt: Der US-Kongress, der eine Kriegserklärung sonst absegnen muss, wird nicht mehr eingeschaltet.Der Präsident wird sofort mit dem Generalstab verbunden, der seine Befehle weitergibt an die Einsatzkräfte. Er berät sich mit den Militärs, allen voran dem Verteidigungsminister, doch alle sind ihm unterstellt: „Sobald der Präsident einen Angriff befohlen hat, gibt es kein Veto mehr“, sagte der Nuklearexperte Franklin Miller, der 31 Jahre lang für die US-Regierung gearbeitet hat, der „New York Times“. „Nur der Präsident hat die Autorität.“

Und eine kurze oberflächliche Recherche vermittelt mir den Eindruck, dass das ungefähr so stimmt. (Und, das tut hier nicht so viel zur Sache, aber findet noch jemand, dass „präventiver Gegenschlag“ ein merkwürdiges Konzept ist?)

Und jetzt mal ganz unabhängig davon, ob diese Person nun George Bush, Barack Obama, Hilary Clinton, Donald Trump oder Muriel Silberstreif heißt: Das ist doch eine evident unvernünftige Regelung. Das gehört doch dringend überarbeitet. Ich würde behaupten, dass es auch früher schon ein blödsinniges System war, als der Kalte Krieg noch der Kalte Krieg war, aber heute geht das doch nun wirklich eindeutig nicht so.

Menschen sind generell sehr fehleranfällig, und natürlich gibt es kein System, das uns zuverlässig davor schützt. Aber einer einzelnen Person, die wie wir alle jederzeit aus den verschiedensten Gründen zeitweise mal nicht in der Lage sein kann, klar zu denken, eine so gewaltige Verantwortung zuzutrauen, ist einfach schwachsinnig. Man kann sicherlich darauf hoffen, dass die ausführenden Personen von der Trägerin des Koffers über den Verteidigungsminister zu den Soldaten eventuell die Befehle eines erkennbar geistig beeinträchtigten Präsidenten verweigern würden, aber gerade wenn das unsere Hoffnung sein soll, wäre es doch fein, dafür ein System einzurichten, das diesen Leuten Richtlinien an die Hand gibt, oder Wasweißich, sowas wie einen Richtervorbehalt? Womöglich gibt es sogar eins, das aber auch irgendwie geheim ist, aber das ist dann ja aus offensichtlichen Gründen auch keine Antwort. Man müsste mehr über die (streng geheimen) Einzelheiten wissen, um einen sinnvollen konkreten Vorschlag zu machen, aber „Diese eine Person hat die Entscheidung in der Hand, ob die Welt untergeht, und niemand darf ihr da reinreden“ hielte ich nicht mal für eine gute Idee, wenn ich selbst diese Person wäre. Oder was meint ihr?

2. Homöopathie

Die FAZ hat sich mal wieder gedacht, dass Berichterstattung nicht ausgewogen sein kann, wenn man nicht beide Seiten gezeigt hat:

„Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen (effectiveness) der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebokontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung (efficacy) potenzierter Arzneimittel.“ Laut WissHom gebe es eine Vielzahl von positiven randomisierten klinischen Studien, die eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebos zeigten, „auch wenn nur die methodisch hochwertigen placebokontrollierten Studien zur individualisierten Homöopathie herausgegriffen werden, zeigt sich ein positives Ergebnis“.

Und ich will sogleich zugeben, dass ich mich zeitlich damit überfordert fühle, im Einzelnen darzulegen, wo jeweils die Probleme dieser zahlreichen Studien im Einzelnen liegen und warum sie in ihrer Gesamtheit diesen Schluss nicht zulassen. Knapp zusammengefasst findet ihr dazu hier zum Beispiel ein bisschen was, und hier ein bisschen was mehr. Aber ich finde, es reicht schon, zu wissen, was Homöopathie ist. Und ich erlebe immer wieder erstaunlich oft Leute, die das nicht wissen. Die glauben, dass homöopathische Mittel sich dadurch auszeichnen, dass sie halt sanft sind, oder natürlich, oder sowas.

Homöopathie ist aber was Anderes. Sie basiert knapp zusammengefasst auf zwei Ideen:

a) Was bei Gesunden eine Krankheit auslöst, heilt ebendiese bei Kranken.

b) Je mehr ein Wirkstoff verdünnt wird, desto wirksamer wird er.

Und beide Prinzipien verstoßen gegen so ziemlich alles, was Medizin, Chemie und Physik über das Funktionieren unserer Welt wissen. Auch Homöopathen haben kein tragfähiges Modell zu bieten, das erklärt, wie das sein könnte. Sie glauben es einfach. Ohne guten Grund. Und wenn man sie fragt, dann antworten sie sowas wie Frau Bajic auf ihrer Homepage:

Man kann sich die Wirkung von homöopathischen Heilmitteln vorstellen, als käme der Person eine Nachricht zu, die sie befähigt ihre Selbstheilungskräfte optimal einzusetzen.

Und so funktioniert Wissenschaft nun mal nicht. Ich kann mir nicht einfach irgendeinen Kokolores frei ausdenken und dann fröhlich loslaufen und Experimente an kranken Menschen ausführen. Ich brauche zunächst mal eine Grundlage, eine Basis für die Annahme, dass da sowas wie eine medizinische Wirkung sein könnte. Solange das fehlt, sind Studien Zeitverschwendung. Trotzdem haben wir sie im Fall von Homöopathie in großer Zahl durchgeführt, und wenn man die Datenlage betrachtet, zeigt sie wenig überraschend keinen Beleg für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung. Wenn nun die FAZ trotzdem jemanden unkommentiert etwas anderes behaupten lässt, und zwar eine Person, auf deren Homepage wir den atemberaubend dreisten Hinweis finden:

Homöopathie hilft bei allen Krankheiten, die keiner chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Ein sorgfältig ausgewähltes homöopathisches Arzneimittel heilt schnell, sanft, sicher, nebenwirkungsfrei und dauerhaft auch schwere, akute und chronische Erkrankungen, wie Migräne, Neurodermitis, Asthma bronchiale, Colitis, Rheumatismus u.v.a., für die sonst nur Linderung, aber keine Heilung möglich ist. Dies gilt auch für akute Krankheiten bakterieller oder viraler Natur. Solange der Organismus zu einer Reaktion auf die Arznei fähig ist, kann ein homöopathisches Mittel heilen.

dann ist das in meinen Augen verantwortungslos, weil diese Sätze schon zeigen, dass Frau Bajic offenbar entweder nicht in der Lage oder nicht bereit ist, den Stand der Forschung in dieser Sache aufrichtig darzustellen. Sie ist damit eher keine geeignete Repräsentantin einer satisfaktionsfähigen Position in einer öffentlichen Debatte. Es gibt Fragen, bei denen nicht zwei Seiten mehr oder weniger gleichauf um die Wahrheit streiten, und wenn ein Medium dann aber suggeriert, es wäre doch so, dann täuscht es seine Kundinnen und Kunden. Ich stelle doch auch nicht gleichberechtigt einen Gastbeitrag von einem Staatsanwalt, der erklärt, dass Ladendiebstahl strafbar ist, neben den von einem Ladendieb, der erfreut berichtet, dass er jetzt schon fünfmal nicht erwischt wurde und die Praxis deshalb echt empfehlen kann. Oder wie seht ihr das?


Angela Merkel zeigt alle zehn Finger

12. September 2013

Angela Merkel zeigt bei einem öffentlichen Auftritt ihre Hände. Kalkül oder peinlicher Fauxpas kurz vor der Wahl?

Schon kurz nach Bekanntwerden des Fotos wurde Merkel für ihre Geste teils heftig kritisiert. „Das kann doch wohl nicht der Stil einer Bundeskanzlerin sein“, twitterte der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel stellte Merkels Eignung als Kanzlerin infrage. „Die Geste verbietet sich als Bundeskanzlerin. So etwas geht nicht“, sagte Gabriel am Rande des 

Nee. Ich kann nicht. Tut mir leid, ich dachte ich könnte, aber klappt nicht. Das ist von sich aus schon so dumm, das lässt sich nicht mehr verulken. Dazu fällt mir nichts ein. Aber zumindest einen kurzen Kommentar haben Leute wie Daniel Bahr und Philipp Rösler schon noch verdient, die der Meinung sind, eine alberne Geste entscheide über die Tauglichkeit als Kanzlerkandidat.

Finger


Bündnis. Ist klar.

14. Juni 2013

Der will nicht gewinnen

sagt Stefanolix zu Peer Steinbrück und zitiert ihn mit der Bemerkung

Ich bin sehr froh,dass [ich],wie intern ich mir das vorgenommen habe,mit dem heutigen Tag den,wenn Sie so wollen,vierten Set und abschließenden Setfür ein Kompetenzteam,mit dem wir in diesen Bundestagswahlkampf gehen wollen,Ihnen vorstellen kann.

Das wollte der Kanzlerkandidat der SPD natürlich nicht auf sich sitzen lassen und schlägt nun zurück mit einem (bestimmt) selbst geschriebenen Gastbeitrag in der FAZ, in dem er uns seine Konzepte, seine Politik und natürlich seinen Willen zum Grillen Gewinnen darlegen möchte. Wie er das macht? Sag ich euch.

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Und dann heile ich Krebs

3. August 2009

Darf ich hier noch mal an den bereits verlinkten Beitrag von „Die Erklärung“ erinnern, in dem uns Frank-Walter Steinmeier als entschlossener Heimwerker vorgestellt wurde, der zwar nicht so genau weiß, was eine Schraube ist, der aber trotzdem mal schnell alleine den neuen Ikea-Schrank zusammenbauen möchte?

Daran denke ich in den letzten Tagen immer wieder, wenn ich von seinem Deutschland-Plan höre. Ich halte es gar nicht mal für grundsätzlich unmöglich, dass wir in Deutschland irgendwann sowas wie Vollbeschäftigung (wie immer wir die definieren wollen) erreichen. Aber ich halte es für total unmöglich, dass wir das mit so dirigistischen Träumereien hinkriegen, wie der Kanzlerkandidat der SPD sich das denkt. Man kann sicher lang und breit über den Deutschland-Plan schreiben, aber ich versuche es mal kurz und knapp und hoffe, dass ich dabei nichts Wesentliches unterschlage: Wenn ich Steinmeier richtig verstehe, soll die Regierung entscheiden, welche innovativen Branchen für die Zukunft gut sind, und die werden dann gefördert. Er meint wohl, das wären dann Automobil (aber mit umweltfreundlichen Autos), Export (aber auch Öko) und Pflege und Gesundheit. Aus meiner Sicht muss so eine Förderung denknotwendig auf Kosten der anderen, für unwürdig befundenen Branchen gehen. Die zahlen dafür dann zum Beispiel höhere Steuern, irgendwo muss das Geld für die guten Industrien ja herkommen.

Wer sich noch nicht ganz sicher ist, wie er die Fähigkeit von Regierungen einschätzt, die Zukunft zu prognostizieren und kluge Investitionen zu tätigen, der denke bitte mal kurz über den Zustand unseres Rentensystems, der Hypo Real Estate, Opels, der diversen Landesbanken, oder einfach den jährlich erscheinenden Bericht des Bundesrechnungshofes nach.

Ergänzung, 23:05 Uhr: Bei der FAZ sieht man das offenbar ähnlich. Wer es also doch länger und breiter mag, kann das hier nachlesen.


Zusammenhanglos

10. Juli 2009

Himmel, ich mag die Piraten doch gar nicht besonders. Warum fühle ich mich zurzeit trotzdem regelmäßig gezwungen, die in Schutz zu nehmen?

Ich hatte ja vor kurzem schon mal erwähnt, dass mir vieles ein bisschen übertrieben vorkommt, was da gerade zum Thema geschrieben wird. Oft stehen dann da Sätze wie

Schafft dieses “Partei” doch einfach wieder ab, dann ist ruhe!“ in einem Kommentar von Malte (nein, nicht von dem Malte), oder

die Partei hat sich als ernstzunehmender Diskussionspartner in der Zensursula-Debatte vorerst selbst disqualifiziert“ von Chris auf F!XMBR, oder natürlich

Das war es mit den Piraten“ wieder bei den Ruhrbaronen.

Ruhrbaron David Schraven hat in dem oben schon verlinkten Artikel doch tatsächlich den Satz untergebracht: „Ich hoffe nicht, dass die Piraten unter dem Deckmantel des Kampfes um die Meinungsfreiheit zum Sammelbecken der Kinderschänder in Deutschland werden.
Ich wäre versucht, jetzt zu schreiben, was ich alles nicht hoffe, aber das gehört hier nicht her.

Ich erinnere mich, früher, als meine Mutter mich zum ersten Mal auf den Fahrersitz ihres Autos ließ, um mir zu zeigen, wie das geht, da kam ich nicht auf Anhieb mit der Kupplung und dem Gas und den Gängen zurecht. Ich würgte den Motor bestimmt zehnmal ab, und ich war ziemlich frustriert und dachte sowas wie „Das wird doch nie was“, „Autofahren ist doof“, „Warum lass ich das nicht einfach ganz, verdammter Mist?“

Ich erinnere mich, als ich Einrad fahren lernte, kam ich mir auf dem Ding vor, als wäre ich auf mindestens zwölf Axen beweglich. Ich konnte mich sogar dann kaum darauf bewegen, wenn ich mich an etwas zum Festhalten hatte, und ich dachte: „Wie soll ich das jemals lernen?“, „Einradfahren ist doof“, oder „Ich bin einfach zu blöd dafür, ich glaub, ich gebe auf.“

Ich erinnere mich an den Tag vor der Abgabe meiner Diplomarbeit. Ich dachte Dinge wie zum Beispiel: „Ich will nicht mehr. Ich hab keine Lust mehr. Mir ist das hier zu blöd, das wird doch bis morgen nie was.“, „Diplomarbeiten sind doof“, oder „Wozu eigentlich ein Diplom, das ist doch die Mühe nicht wert, ich brauch das doch eh für nix!“

Ich wusste aber in jedem dieser Fälle, dass diese Gedanken Unsinn waren, und dass sie einem sehr infantilen Teil meines Verstandes entsprangen, der mich heute noch begleitet, und der immer furchtbar enttäuscht ist, wenn etwas nicht auf Anhieb so klappt, wie ich mir das vorstelle. Ich versuche, möglichst selten auf ihn zu hören.

Was das mit dem Thema dieses Artikels zu tun hat? Weiß ich auch nicht so genau. Man assoziiert manchmal die merkwürdigsten Sachen.


Porno-Piraten und der Holocaust

7. Juli 2009

Drüben bei den Ruhrbaronen tobt mal wieder die Kinderpornographie-und-Tauss-waren-schon-schlimm-genug-aber-nun-auch-noch-Rechtsextremismus! – jetzt-sind-die-Piraten-wirklich-definitiv-endgültig-für-immer-echt-absolut-unwählbar-Diskussion, zu der ich auch den einen oder anderen Kommentar geschrieben habe. Mir ist deshalb danach, das ganze jetzt doch mal ausführlicher im eigenen Weblog zu betrachten.

1. Kinderpornographie: Fangen wir gleich mal mit dem großen Monsterthema an. Kinderpornographie ist natürlich widerwärtig und unerträglich. Dass die Piraten das auch so sehen, muss ich hier eigentlich nicht mal erwähnen.
Ich halte es für zweifelhaft, dass man hierzulande schon Strafverfolgung fürchten muss, wenn man aus Versehen oder sonstwie auf einer entsprechenden Seite landet und dann versäumt, den Cache zu löschen. Ich halte das sogar für gefährlich, denn wer soll sich ob solcher Risiken noch trauen, sich an die Polizei zu wenden, wenn er Kinderpornographie entdeckt? Andererseits ist versehentliche Wahrnehmung solcher Bilder  natürlich auch nach jetziger Rechtslage nicht strafbar, und eine Legalisierung des Konsums geht nun auch nicht. Vielleicht ist die Antwort hierauf wieder die viel beschworene Medien- oder vielleicht besser Nachrichtenkompetenz. Das Problem ist vielleicht gar nicht nur, dass strafrechtliche Ermittlungen stattfinden könnten, sondern auch, dass derjenige, gegen den ermittelt wird, für den Rest seines Lebens von einem Teil seiner Bekannten als Kinderschänder angesehen wird, auch wenn die Ermittlungen nichts ergeben. Wenn man den Leuten (also zunächst mal sich selbst und dann vielleicht noch ein paar anderen) beibringen könnte, die Unschuldsvermutung ernst zu nehmen und nicht gleich auf jedes BILD-Ausrufezeichen aufzuspringen, wäre da schon vieles einfacher.

2. “KiPo”, “Dokumentierter Kindesmissbrauch”: Ersteres ist aus meiner Sicht eine unschöne, aber akzeptable Abkürzung. Das zweite ist sicher auch nett gemeint, klingt aber dermaßen albern nach Euphemismus, dass man sich damit unweigerlich lächerlich macht. Und das Thema eignet sich einfach gar nicht zum Lachen.

3. Tauss: Schwieriger Punkt. An eine Prognose, wie clever es war, ihn aufzunehmen, wage ich mich mal gar nicht heran, das sehen wir ja nach der Bundestagswahl. Was den moralischen Teil angeht, verweise ich auf Punkt 1 und behaupte konsequent, dass wir ihn als unschuldig ansehen müssen, bis… Ihr wisst schon.

4. Thiesen: Da haben die Piraten also jemanden zum Ersatzrichter gewählt, der bezweifelt, dass der Holocaust so stattgefunden hat, wie es in den Geschichtsbüchern steht und meint, der Angriff auf Polen wäre gerechtfertigt gewesen. Ohje. Das war ganz bestimmt nicht clever. Andererseits hat er sich anscheinend deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit ausgesprochen und auch betont, dass das Dritte Reich auf jeden Fall zu verurteilen ist und dass jeder einzelne Mensch, der verfolgt und getötet wurde, einer zu viel ist. Das ist natürlich ein bisschen wenig Material, um einen Menschen einzuschätzen. Klingt, als wäre er zwar nicht besonders gefährlich und vielleicht nicht mal unbedingt ein schlechter Mensch. Klingt aber auch, als hätte er ein ernsthaftes Problem mit der Realität, und das macht ihn zumindest zu einem schlechten Richter. Den hätte man nicht wählen dürfen, meine ich auch.

5. Die Piraten insgesamt: Ich finde es nicht besonders überzeugend, wegen Tauss (der noch nicht mal angeklagt wurde) und Thiesen (der ein ziemlich unbedeutendes Amt bekleidet) die Partei gleich unwählbar zu nennen. Für mich sind die Piraten nichts, weil ich schon gerne von jemandem politisch vertreten werde, dessen Einstellung ich nicht nur zu ein paar ausgesuchten Themen kenne, sondern zum Beispiel auch zum Steuerrecht, zur Außenpolitik, zur Umweltpolitik. Aber ich kann ganz gut akzeptieren, dass es Leute gibt, die sie wählen und bei ihnen mitarbeiten, und mit der Zeit wird das Programm ja vielleicht noch vervollständigt. Ich finde es jedenfalls ein bisschen armselig, jeden kleinen Fehltritt der Piraten gleich mit wildem Geschrei zu beantworten: “Da! Da! Ich hab’s euch ja gesagt! Die darf man nicht wählen!” Eigentlich sollte man vielleicht gar keine Partei wählen. Aber irgendwer muss uns ja regieren, und ich will das jedenfalls nicht machen.