Kann man vom Journalismus „Die Wahrheit“ erwarten?

2. Januar 2019

Ja gut, das mit dem Was-anderes-probieren hat sich nicht bewährt. Mach ich halt wieder, was ich immer mache:

Es gibt Bemerkungen, die komplett der Wahrheit entsprechen, aber trotzdem absolut nicht in Ordnung sind, etwa wegen Kontext und Formulierung, weil alles, was wir sagen, immer auch etwas impliziert, das über den reinen Wortlaut hinausgeht, zum Beispiel durch den Kontext oder die Wortwahl, oder so.

Normalerweise nehme ich dafür als Beispiel:

„Es gibt Migranten, die deutsche Frauen vergewaltigen.“

Das ist eine völlig zutreffende Bemerkung. Niemand kann das vernünftigerweise bestreiten. Aber es ist trotzdem ein Satz, der nach meinem Kenntnisstand selten von jemandem gesagt oder geschrieben wird, der kein Armleuchter ist. Das hat verschiedene Gründe. Einer der wichtigeren ist meines Erachtens, dass ich mit dem Sagen so eines Satzes nicht nur seinen nackten Inhalt zum Ausdruck bringe, sondern zum Beispiel auch, dass ich finde, es wäre wichtig, ihn zu sagen, weil er eine Information enthält, die nicht nicht genug Leuten bekannt ist, und oder weil ich will, dass bestimmte Konsequenzen daraus folgen. Wenn ich sage: „Ich habe Hunger!“, wird das üblicherweise ja auch nicht nur mit „Aha“ quittiert.

Ergibt das Sinn? Finde ich auch. Dann schauen wir uns doch jetzt mal 1 anderes Beispiel an. Stephan Hebel titelt seinen Leitartikel bei der Frankfurter Rundschau mit

Der Fall Claas Relotius – Absolute Objektivität gibt es nicht

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Ich weiß auch nicht, wie ich da jetzt drauf komme, aber

6. Juli 2010

Vor einigen Tagen habe ich beim Kinderdoc mit bedingtem Vorsatz eine kleine Diskussion über Priester angefangen, in deren Verlauf der Kommentator Wolfram sagte:

„Da lob ich mir Goethe, der zwar mit den Kirchenleuten auch nix am Hut hatte, aber immerhin die Größe zuzugeben, „es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen läßt.““

Das ist so ein Zitat, über das ich mich jedes Mal wieder ärgern könnte, wenn ich es irgendwo höre oder lese. Weil es nämlich meistens dazu dienen soll, so genannte Parawissenschaften zu rechtfertigen, oder alternative Medizin, oder eben irgendeinen anderen kleinen Aberglauben, den der Zitierende gerade verteidigen zu müssen glaubt. Meistens wird es mit einem ziemlich selbstzufriedenen Lächeln vorgetragen, mit dem er zum Ausdruck bringt, für wie engstirnig er die anderen hält und für wie aufgeschlossen sich selbst.

Das ist natürlich Unsinn, auch wenn die Behauptung an sich schon stimmt. Es gibt unzählige Dinge – nicht nur zwischen Himmel und Erde -, die wir heute noch nicht einmal erahnen können. Wir wissen nicht, wie das Universum entstanden ist, wie es enden wird, was sich wirklich in schwarzen Löchern abspielt oder wie das menschliche Bewusstsein funktioniert. Es gibt Erklärungsversuche, aber nicht alle werden sich als wahr erweisen, alle als unvollständig, und auf der Suche werden wir neue Wahrheiten entdecken, die uns heute vielleicht unglaublich erscheinen würden. Genau das ist die fantastische Chance, die uns die wissenschaftliche Methode ermöglicht: Immer mehr und mehr dazuzulernen und immer mehr darüber zu erfahren, wie die Welt um uns herum funktioniert.

Und all diese wundervollen Dinge, von denen unsere Schulweisheit sich heute noch nichts träumen lässt, können wir entdecken. Das funktioniert aber nur durch Beobachtung der Realität, durch darauf gestützte und durch Experimente erhärtete Theorien. Es funktioniert nicht, wenn man sich einfach Zeug ausdenkt und es dann unabhängig von der Realität einfach immer weiter glaubt. Genau das tun aber die Leute meistens, die diesen Spruch mit diesem Lächeln aufsagen.

Übrigens, falls noch Besserwisser außer mir selbst zugegen sein sollten: Ja, der stammt ursprünglich natürlich aus Hamlet und nicht von Goethe.