Landwirtschaft dient allen

27. Dezember 2009

[Warnung: Dies ist ein Nörgelbeitrag. Wer noch in Weihnachtsstimmung ist und sich diese nicht verderben lassen will, sollte ihn vielleicht auslassen. Warnung Ende]

Vielleicht so als kurze Erklärung zum Einstieg: Ich kann Bauern nicht leiden. Der individuelle Landwirt ist vielleicht ein netter Kerl, so wie der individuelle Gewerkschafter oder der individuelle Geistliche, aber als Organisation habe ich ein Problem mit ihnen.

Das liegt daran, dass ich mich generell über Leute aufregen kann, die ganz selbstverständlich erwarten, dass der Rest der Welt sich nach ihnen richtet, und dann mit Aggression und Entrüstung reagieren, wenn sie feststellen dass es nun einmal nicht so läuft.

Wenn ich jemandem etwas verkaufen möchte, er aber nicht den Preis zahlen will, den ich verlange, dann nenne ich entweder einen niedrigeren Preis, oder sage ihm, dass er halt woanders kaufen muss. Vielleicht komme ich sogar auf die Idee, ihm zu erklären, warum ich meinen Preis für angemessen halte und dass billigere Anbieter ihn dann später eventuell teuer zu stehen kommen.

Aber zu keiner Zeit komme ich auf die Idee, den Käufer zu beschimpfen, er wolle mich ausbeuten, er müsse doch Rücksicht auf mich nehmen, ich müsse doch auch von irgendwas leben und meine Kosten decken. Ich würde nicht einmal im Traum daran denken, zu ihm nachhause zu fahren und seine Hofeinfahrt mit meinem Auto zu blockieren. Es läge mir völlig fern, eine Autobahn zu sperren, Barrikaden anzuzünden und von der Regierung zu verlangen, dafür zu sorgen, dass ich den Preis bekomme, den ich gerne hätte.

Landwirte denken anscheinend anders, und das nervt mich kolossal. Aus diesem Grund konnte ich mich nicht völlig zurückhalten, als ich gestern auf dem Kaffeetisch meiner Großmutter diese Milchtüte entdeckte:

Nachdem ich sie eine Weile betrachtet hatte, fragte mich jemand, was ich davon halten würde. Natürlich wäre es klug gewesen, darauf so etwas zu antworten wie: „Hm, naja, achja, ihr wisst schon, schönes Wetter heute, oder?“
Zumal diese Aktion von mir aus im Prinzip sogar in Ordnung geht. Schließlich kann jeder für sich entscheiden, ob er so eine teure Tüte Milch kaufen will oder nicht.

Ich fühlte mich aber berufen, das Schwert der Wahrheit zu zücken:
„Also, ich habe ja gar kein Herz für Erzeuger. Für unsere heimischen Landwirte kann ich gar nicht wenig genug bezahlen, ich kenne nämlich ein paar.“
Das führte natürlich zu einem kurzen Streitgespräch, an dessen Ende ich mich nicht mehr genau erinnern kann, weil sich so ein roter Schleier über mein Blickfeld senkte. Das letzte, was ich noch weiß, ist:

Oma: „Ja, aber im Ausland werden die Bauern doch subventioniert, und bei uns nicht!“
Ich: „Ouh! Ouh! Oooouh!“

Ich glaube, danach bin ich aufgesprungen und schwungvoll mit dem Kopf voran gegen die Wand gelaufen. Bin mir aber wie gesagt nicht sicher.