Werbeunterbrechung

29. Dezember 2016

Haben auch Sie einen reichen Erbonkel, der schon viel zu lange ein Pflegefall ist, aber immer noch viel zu gesund?

SickenUp kann helfen! Nur ein Esslöffel täglich garantiert die sicksten Ergebnisse!

Sind Ihre Kinder uncoole Nerds ohne Freunde, die den ganzen Tag nur zu Hause sitzen und lesen? Fehlen Ihrem Nachwuchs einfach die richtigen Moves?

Auch hier ist SickenUp das Richtige! Nur ein Esslöffel täglich garantiert epische Sickness!

Heißen Sie Bastian Enkijewitsch, wollen aber gerne mit einem berühmten Journalisten und Sprachnörgelautoren verwechselt werden?

SickenUp löst Ihr Problem! Nur ein Esslöffel täglich garantiert sicke Namensänderungen nach Wahl!

Möchten Sie fremde Texte wörtlich zitieren und Aufmerksamkeit auf die enthaltenen Rechtschreibfehler lenken?

Naja. Sie wissen schon. The benefits are clear.


Strumpfshow

19. Juni 2014

Anzeige Teraske Stuetzstruempfe.indd

Joa.

Nette kleine Anzeige. Netter kleiner Gag. Gibts eigentlich nicht viel zu zu sagen.

Eigentlich.

Aber dann doch wieder. Weil es eben trotz allem immer noch nicht nur ein netter kleiner Gag ist, sondern weil ich laaaaaange überlegt habe, ob ich diese Anzeige wirklich so mache, und weil mir viele Menschen, an deren Urteil und Meinung mir sehr viel liegt, mit sehr guten Argumenten teilweise äußerst dringend davon abgeraten haben.

Warum? Weil ich darauf eben ein bisschen albern aussehe, für manche Menschen vielleicht ein bisschen feminin, für manche Menschen vielleicht ein bisschen schwul. Und weil es eben in (Teilen) unserer Gesellschaft immer noch wenig gibt, was als beschämender, armseliger, entwürdigender für einen Mann angesehen wird, als Weiblichkeit, als die Andeutung von Homosexualität. Ich unterstelle niemandem, der mir von dieser Anzeige abgeraten hat, ein persönliches Problem mit Homosexualität oder Weiblichkeit. Aber jeder von ihnen war in großer Sorge, dass genug andere ein solches Problem haben, um aus dieser Anzeige einen ernsten Fehler zu machen. Ich habe das auch für durchaus plausibel gehalten, und sehr gründlich drüber nachgedacht, bevor ich es schließlich trotzdem gemacht habe, schon eher aus prinzipiellen Erwägungen als aus der Überzeugung heraus, dass es vom kurzfristigen Ergebnis her eine gute Idee ist.

Und darüber sollten alle diese Menschen, die gerne behaupten, Männer und Frauen seien doch längst gleichgestellt, und Homosexuelle sollten sich mal nicht so anstellen, mal nachdenken.


Falsche Branche

20. Februar 2014

Moderne Pflegeheime und Kliniken stehen für Genuss, Geselligkeit und Erholung. Bei der Gestaltung dieser Räume spielt ein Rollstuhl immer häufiger eine zentrale Rolle. So selbstverständlich wie sich bei einer gelungenen, entspannten Party die Gäste in der Küche versammeln, wird der Rollstuhl im Pflegefall zum Mittelpunkt der Mobilität. Hier können die Opfer von Unfällen und Krankheiten sitzen, Speisen zubereiten, gekühlte Getränke genießen und einfach plaudern. Aber auch im Alltag ist es ein Genuss, nicht nur die Faszination der eingeschränkten Beweglichkeit, sondern den ganzen Prozess des Lebens – vom Zubereiten über das Verzehren bis hin zum Ausscheiden von Speisen – in den Rollstuhl zu verlegen.

Ihr Sanitätshaus Silberstreif bietet mit seinen Outdoorrollstühlen faszinierende Möglichkeiten, solche Situationen zu inszenieren. Bei der Entwicklung der Produktlinien waren die Vorgaben ausreichendes Design, medizinische Erforderlichkeit und optimale Wirtschaftlichkeit für die Kostenträger.

Unsere Systeme sind logisch durchdacht und von leidenschaftlichen „Behinderten“ erprobt. So bieten wir z.B. eine angenehme Sitzhöhe, outdoortaugliche Vollgummibereifung, intelligente Urinbeutellösungen und Erweiterungen.

Die Rollstühle vom Sanitätshaus Silberstreif eignen sich für private Projekte, aber auch für den professionellen Einsatz. Immer nach dem Motto: CELEBRATE LIMITED MOBILITY!

Hm.

Nee.

Ich glaube, manche Marketinggepflogenheiten anderer Branchen lassen sich nicht auf den Hilfsmittelsektor übertragen. Wir müssen wohl weiterhin durch Einsatz und Kompetenz überzeugen.


Restebloggen (97)

1. September 2013
  1. Ich habe gelacht.
  2. Ich weiß natürlich nicht, ob speziell diese Geschichte stimmt. Aber man kann sich gar nicht oft genug dran erinnern, dass es zumindest prinzipiell genau so läuft:
    Nabil Hadjarab arrived at Gitmo 11 years ago, in an orange jumpsuit and a diaper, his head covered by a hood, eyes blinded by blackout goggles, mouth gagged, and with headphones blaring white noise into his ears.At 34, Nabil is four years my senior. We both speak French, draw pictures, and, in our youths, liked to travel to desolate places and have adventures. But Nabil’s days of wanderlust may be over forever. Although he’s been cleared for release since 2007, the US will not return him to his family in France.  He has vowed to remain on a hunger strike till he finds freedom or death, whichever happens first. -It Don’t Gitmo Better Than This: Inside the Dark Heart of Guantanamo Bay. By Molly Crabapple
  3. Robot and Frank. Wow. Womöglich der wunderbarste Film, den ich je gesehen habe. Empfehlung. Dringend.
  4. Es sagt sicherlich nicht viel Gutes über meinen Sinn für Humor aus, dass ich das hier für das möglicherweise Wunderbarste halte, das je der Marketingabteilung eines Unternehmens eingefallen ist:
    2013-08-30 19.07.44
  5. Via Ephemera hab ich dieses Video gefunden. Ich las die Beschreibung:
    „[Es geht um einen nicht autorisierte Werbespot,] in dem ein Mercedes durch ein Dorf um die Jahrhundertwende des 19. zum 20. Jahrhunderts fährt. Das Antikollisionssystem bewahrt eine Gruppe Kinder, die mit diesem Auto verständlicherweise nicht rechnen, davor, überfahren zu werden. Wenige Sekunden später hat ein Junge mit einem Papierdrachen weniger Glück: Ohne zu zögern überrollt ihn das Auto und lässt ihn tot liegen. Während seine Mutter verzweifelt „Adolf! Adolf“ ruft, verlässt das Auto das Dorf, auf dem Ortsschild steht „Braunau am Inn“. Dann folgt der Mercedes-Benz-Werbespruch: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.““
    und dachte spontan: Wow, nette Idee. Sicher nicht genial, aber witzig, und hatte Lust, Streit anzufangen, denn Anatol Stefanowitsch schrab:
    „Warum finde ich das weder genial-kreativ, noch geil oder lustig? Weil ich der Meinung bin, dass Filmhochschüler/innen mehr können sollten als ästhetische Bilder produzieren. […] Zum Beispiel sollten sie wissen, dass es niemals angebracht ist, den Tod eines Kindes in einem positiven Licht zu zeigen“
    Und ich dachte natürlich: Hm? Wieso das denn? Sagt wer? Pah!
    Aber dann sah ich mir das Video an, und … Joa. Ich weiß nicht, wie die das hingekriegt haben, weil die Idee sehr gut ist, und die Umsetzung … eigentlich auch. Ich kann echt nicht sagen, wieso, aber das ist wirklich nicht witzig. Nicht wegen irgendwelcher ethischen Bedenken, die sind bei Humor Blödsinn, sondern weil es eben einfach nicht witzig ist. Schade.
    Natürlich hätte ich mich trotzdem noch gestritten, wegen der Grundsatzfrage, aber da dazu dann ja eine viel bessere Gelegenheit kam, hab ichs dann doch gelassen.
    Ich dachte halt, das könnte euch vielleicht interessieren.
    Und ihr so?
  6. I recently took advantage of the opportunity to offer my opinion on the current Ferrero-White-Power-campaign („Deutschland wählt weiß!“ „Yes, Weiß can!“) at I Lost My Panties In The Moshpit (It’s not about panties, but about music. Usually.) and would like to repeat it here, for the record: I’m not the least bit surprised. Ferrero has always had the worst advertisements of all time. Of all time! No one can even approach them when it comes to bad advertisements, not even Kinder.
    Their Rocher spots have fuelled my violent fantasies and rage-filled hate-dreams since I was five.
    They’re dicks to deal with as a company, too, but you just need to stock their shit, because customers love it.
    They did this on purpose, they do everything on purpose just to show us how little they care if everybody hates them.
    Satan is real, and he’s the prince of this world, and his name is Ferrero.

Restebloggen (96)

4. August 2013
  1. Vor Kurzem erst entdeckt (Danke keoni!): Ze Frank
  2. Es macht mich total rasend, dass sich gerade „nen“ als Kurzform für „ein“ und teilweise auch „eine“ durchsetzt. „Ich hol mir nen Eis.“ Brrrr. Naja. In ein paar Jahren fällt es uns wahrscheinlich nicht mal mehr auf.
  3. Das Thema The Last of Us lässt mich einfach nicht los, wie ihr seht. Aber Nils und Dennis haben hier wirklich ein enorm sympathisches Let’s Play hingelegt. Ich muss einerseits schon zugeben, dass ich zum letzten Drittel hin – also so nach 12 oder 14 Stunden – tatsächlich anfing, sowas wie Interesse für die Handlung zu entwickeln, aber insgesamt bin ich nach diesen Videos sowas von endlos heilfroh, dass ich nicht versucht habe, den Mist selbst durchzuspielen. Das hätte mir echt gar keinen Spaß gemacht. Gar keinen.
  4. Anatol Stefanowitsch schreibt was, das ich auch schon öfter gedacht, aber nie aufgeschrieben habe, und nun war er halt früher dran, deswegen zitiere ich ihn, statt mir eigene Worte zu suchen: „Statt zu sagen, „X ist schön“, sollten wir sagen, „Dass du/er/sie/es X (b)ist, macht mich gerade froh.““ Fand ich damals auch schon, als Christina Aguileras „Beautiful“ dauernd im Radio lief. Ja, ich mache mir Gedanken über die Texte von Popsongs. Überrascht euch nicht im Ernst, oder?
    Ich glaube auch, dass eine derartige Formulierung auch gut als Test für Leute taugt, wenn sie sich fragen, ob es angebracht ist, physische Attribute eines anderen Menschen zu erwähnen. Wenn man in Artikeln / Lobesreden / sonstigen Texten über Frauen nicht einfach nur „gutaussend“ oder sowas sagen würde, sondern tatsächlich ausformulieren „Die Form ihres Körpers bereitet mir Freude“, dann sollte das zumindest in meiner zugegebenermaßen manchmal etwas naiven Fantasie ungemein zu der Erkenntnis beitragen, dass sowas in einem nachrichtlichen Artikel über jemandes berufliche Tätigkeit wenig zu suchen hat.
  5. Es ist lange her, dass ich „On ‚helping‘ that is anything but‚ zur gelegentlichen Verarbeitung zurückgelegt habe, aber soweit ich weiß, besteht das Problem noch unverändert, deswegen ist er trotzdem noch empfehlenswert: Have the courage to REFUSE chemo and you will have a better chance of living to 100. Wie ich mich über sowas aufregen kann. Kürzlich wartete ich irgendwo und schlug ein herumliegendes Heft zu einer „Gesundheitsmesse“ auf, dessen Inhalt ausschließlich aus Kristallen und Magneten und Heilpraktikern und Akupunktur und Ohrkerzen zu bestehen schien. Ich hätte das Ding zerreißen können. Stattdessen hab ich es nur in den Papierkorb gelegt.
  6. Wenn ich schon mal dabei bin, meine Altbestände aufzuarbeiten: Hier gibts kreative Werbung für Insektenspray.
  7. Und hier aus der beliebten Kategorie ironisch gemeinter Amazon-Rezensionen: Bic for her!
    Someone has answered my gentle prayers and FINALLY designed a pen that I can use all month long!

Übergang zum weitgehend inaktiven Alibiblog, auf dem nur noch sporadisch mäßig lustige YouTube-Videos gepostet werden

8. Februar 2011

Nur, damit ihr euch keine Sorgen macht: Es geht mir gut.

Ich habe nur gerade nichts zu erzählen.

Ich weiß gar nicht, ob ich vielleicht zu sehr damit beschäftigt bin, mich nicht für Ägypten zu interessieren, oder ob es eher daran liegt, dass ich langsam zu reif und vernünftig werde, um mich über jeden Blödsinn öffentlich zu echauffieren, aber irgendwie drängen sich in den letzten Tagen keine Themen auf, die es hier zu diskutieren gälte. Wird schon wieder, nehme ich an. Die Erklärung mit der Reife und Vernunft klingt jedenfalls nicht besonders überzeugend, oder?

Ich würde zur Überbrückung gerne diese Videos einer „Dead Space 2“-Kampagne mit euch teilen, die ich persönlich von Idee und Ausführung für mit das Beste halte, was seit langer Zeit einem Werbestrategen eingefallen ist:

[Natürlich via Game One. Übrigens eine Seite, die jeder von euch jeden Tag besuchen sollte. Mehrfach.]

Fast so awesome wie diese Zelda-Werbung:

[auch]

They don’t make ‚em like that anymore…


Und wofür benutzt ihr euren Kofferraum so?

24. Juni 2010

Ich habe am letzten Wochenende so eine Tagung in Köln besucht, bei der einer der Referenten in seiner Präsentation unter anderem zwei PR-Videos zeigte, die er für sehr gelungene Beispiele hielt. In gewisser Weise mögen sie das sein, aber sie beinhalten jeweils so eine Stelle, an der bei mir ganz laut die mentalen Bremsen quietschen und ich ein bisschen aus dem Narrativ geworfen werde, wenn ihr versteht, was ich meine. Den einen Spot kann ich hier einbinden, und wahrscheinlich kennt ihr ihn auch sowieso schon:

Da ist also dieser McDonald’s-Manager, der erst einmal immer ganz mitleidig angeschaut wird, wenn er sagt, wo er arbeitet. Und dann aber nicht mehr, wenn er in die Details geht. Aha. Wie muss ich mir diese Gespräche vorstellen, die der Herr ja offenbar regelmäßig auf Partys und mit Freunden führt?

„Tag, ich bin Isa, ich arbeite bei McDonald’s!“
„Oh, das tut mir Leid.“
„Aber ich bin Chef von 40 Leuten und verdiene gutes Geld!“
„Oh mein Gott, ich will ein Kind von dir!“

Ganz im Ernst: Wie hat der Texter dieses Videos sich das vorgestellt? Und etwas ab vom Thema: Sollte uns die Wertschätzung von Leuten wirklich so wichtig sein, die uns plötzlich mit völlig anderen Augen sehen, wenn sie unser Gehalt und unsere Führungsspanne kennen?

Im zweiten Spot ist dieser Moment ein bisschen subtiler, aber in meinen Augen genauso absurd. Den kann ich leider nicht einbinden, aber ihr findet ihn hier auf der BMW-Homepage. Ungeduldige können bis 2:45 vorspulen. Da geht es um den Kofferraum, und der Sprecher sagt:

„Der Kofferraum ist komplett getrennt vom Passagierbereich, wie bei einer Limousine. Alles kann diskret verstaut werden. Man sieht nichts, riecht nichts und hört nichts.“

Moment, halt, wie war das?

„[…] und hört nichts.“

Man hört nichts? Äh. Was könnte man denn im Kofferraum haben, das Ehegatte und Kinder nicht hören sollen, wenn man mit ihnen einen Ausflug macht?

Vielleicht kommt da bloß meine kranke Schriftstellerfantasie durch, aber mir drängt sich da die Frage auf, ob BMW auch daran gedacht hat, den Kofferraum speziell abzudichten, um Schutz vor auslaufenden Flüssigkeiten zu bieten. Vielleicht noch ein Kühlaggregat, falls man mal für längere Zeit…?