Restebloggen (73)

11. August 2011
  1. Das nächsten „Gefallen“-Kapitel ist in Arbeit. Vielleicht schon morgen.
  2. Du weißt, dass du zuviel Zeit im Internet verbringst, wenn du dir eines dieser billigen Sonntag-Mittag-Märchen nach der Sendung mit der Maus ansiehst und in lautes Gelächter ausbrichst, wenn der Prinz die Prinzessin fragt, was sie denn mit dem vielen Stroh hier vorhat.
  3. Via Wortvogel:
  4. Manchmal möchte man an an seinen Mitmenschen verzweifeln, zum Beispiel, wenn man sowas liest:
    bin total geschockt, nach einigen Monaten Ehe habe ich zufaellig rausbekommen, dass
    mein Mann des oefteren Pornofilme im Internet anschaut und es macht mich einfach
    unglaublich traurig. Wir sind beide wiederbekehrt .
    Ich bin total durcheinander, und habe in den letzten 3 Tagen viel geweint, weil es so demuetigend ist und ich mich auf einmal so wertlos fuehle und ich auch nicht weiss

    Aber dann liest man sowas:
    Ich habe meine Frau dabei ertappt, wie sie Kochsendungen schaut.
    Jetzt fühle ich mich sehr gedemütigt.
    Ich mache ihr nämlich manchmal Rührei zum Frühstück. […]
    Wenn sie einen Mann zu Hause hat, der ihr jederzeit ein Ei brät, warum muss sie dann anderen Leuten beim kochen zusehen?
    Ist da nicht schon der Schritt zum heimlichen Restaurantbesuch der nächste?

    Und dann ist nicht nur alles wieder gut, sondern man weiß auch, dass die Zeit, die man in diesem komischen Forum verbringt, nicht umsonst ist. Schön.
  5. Anatol Stefanowitsch schreibt gerade viel über Pippi Langstrumpf, und ich verstehe, dass nicht jeder Zeit hat, so viel Text über ein uninteressantes rassistisches Kinderbuch zu lesen, aber ich find’s empfehlenswert, ob man ihm nun zustimmt oder nicht.
    Und wenn man zu der Einsicht gelangt ist, dass nur eine Umdichtung noch helfen kann, sollte man auch noch über eine vierte Möglichkeit nachdenken, mit diskriminierenden Kinderbüchern umzugehen: Verlage könnten aufhören, sie nachzudrucken und sie könnten stattdessen neuen Autor/innen und neuen Geschichten eine Chance geben, bessere Geschichten zu schreiben. Und Konsument/innen könnten aufhören, sie ihren Kindern vorzulesen. Es ist ja nicht so, als ob eine Welt ohne Pippi Langstrumpf unvorstellbar oder eine literarische Dystopie wäre. Pippis fünfzehn Minuten Ruhm dauern jetzt schon sechzig Jahre.
  6. Ich habe ein sympathisches Blog entdeckt, und ich verlinke es hier, und jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich nicht jedes sympathisch Blog, das ich entdecke, hier verlinke, aber ich tu’s trotztdem, und hoffe eben einfach, dass die Autoren der anderen sympathischen Blogs, die ich entdeckt, aber nicht verlinkt habe, mir das nicht übel nehmen, sondern sich vielleicht sogar über die Chance freuen, ein sympathisches Blog zu entdecken. Und zu verlinken.
    Natürlich kann sich auch [beim Thema Wetter] politischer Zündstoff einschleichen, zeichnet doch für die häufigen Unwetter und den täglichen Regen in diesen Breitengraden bestimmt auch wieder der vielzitierte Klimawandel verantwortlich. Zu dem habe ich übrigens keine ausgegorene Meinung, außer dass die Forderung, den Planeten zu retten, in diesem Zusammenhang eine ziemlich unsinnige ist, will man doch nur den Planeten für die Menschheit möglichst lebensfreundlich erhalten. Ein bisschen globale Erwärmung juckt ja den Globus selber nicht. Wohl aber gefährdet sie Tiere, und die aktuelle Artenvielfalt zu bewahren stellt interessanterweise trotz der Tatsache, dass deren Wandel und das damit einhergehende Aussterben von auch sehr charismatischer Fauna bisher selbstverständlich zur Erdgeschichte gehört hat, ein völlig fragloses Ziel menschlichen und politischen Handelns dar. – Nicht dass ich dafür wäre, Eisbären, Tiger, Leoparden, Pandas und anderes flauschige Getier auszurotten, keineswegs. (Was gewisses stechendes bzw. unappetitliches Ungeziefer anbelangt, ist meine Haltung zugegeben eine andere, aber auch da gehören ja irgendwelche Ökosysteme erhalten – womit wir eben wieder beim Thema wären:
  7. Nur falls jemand davon genauso überrascht ist, wie ich es war, als ich es erfuhr: Ja, in Deutschland ist es zurzeit noch verboten, überregionalen Linienbusverkehr anzubieten. Und mindestens ein SPD-Politiker will anscheinend tendenziell, dass das so bleibt.
    Die Öffnung des Marktes unterstütze bestehende Tendenzen der Deutschen Bahn, Randlagen im Fernverkehr nicht mehr zu bedienen, kritisierte Beckmeyer. Er forderte, dass Fernbusse Maut zahlen müssen.
  8. Das ist eigentlich ein echt ungünstiger xkcd-Cartoon, um ihn im Restebloggen zu präsentieren, aber er ist zu gut, um es nicht zu versuchen. Wenn ihr es nicht lesen könnt, klickt, dann wird er groß. Es lohnt sich. Kommt schon. Ihr klickt doch auch sonst auf jeden Mist, seid ehrlich.
    You're a turtle.

Draußen nur Kännchen

28. Juli 2009

Bei Nerdcore wurde ja schon viel Wichtiges dazu gesagt, aber ich habe noch ein bisschen was hinzuzufügen.

Kommt der Sommer – oder etwas, das ihm entfernt ähnlich sieht -, und scheint die Sonne ein bisschen, ergreift eine sonderbare fixe Idee Besitz von manchen Menschen. Sie richten dann unter Vernachlässigung der eigenen Bequemlichkeit, Gesundheit und allgemeinen Lebensqualität ihr gesamtes Tun und Trachten auf ein einziges Ziel: draußen zu essen.
Wenn ein Tisch und Stühle auf der Veranda stehen, umso besser, falls nicht, wird eben improvisiert und „gepicknickt“, im äußersten Fall wählt man zumindest die Tische draußen im Restaurant.
Über Wespen im Essen, im Getränk, in den Haaren und zwischen den Fingern ärgert man sich zwar ein bisschen, sie werden aber als unvermeidlich hingenommen. Ebenso der Wind, der Servietten und alles andere Leichtgewichtige bis hin zur Tischdecke mit sich reißt und die Essenden zwingt, permanent ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten, alles Windanfällige mit Händen und Füßen festzuhalten oder unter Geschirr und Besteck festzuklemmen. Dabei darf man natürlich trotzdem die Wespen nicht aus den Augen verlieren, sonst findet man sie irgendwann im eigenen Hals wieder.
Auch klagt gelegentlich der eine oder andere halbherzig über den gleißenden Sonnenschein, dessentwegen man gar nicht richtig sehen kann, was man isst – an dieser Stelle noch mal der Hinweis auf die Wespen -, aber am Ende besteht ein stillschweigender Konsens, dass es zum Draußenessen keine Alternative gibt. Wer diesen Konsens explizit anzweifelt und vielleicht so weit geht, vorzuschlagen, in geschlossene Räume zurückzukehren, erntet Entrüstung, als hätte er gefragt, was an Analogkäse eigentlich so schlimm sein soll.

Ich weiß nicht, ob ihr auch solche Stubenhocker seid wie ich, oder ob ihr mit dem Kopf schüttelt und mich einen Miesepeter nennt. Die Tatsache, dass ihr ein Blog lest, lässt mich auf ersteres hoffen, deshalb ist euch vielleicht schon mal aufgefallen, dass die Draußensitzer noch eine zweite interessante Eigenheit haben: Sie sind in der Regel nicht in der Lage, ihre Freizeitpläne vom Wetter zu trennen. Die Frage, wie denn das Wetter heute wird, ist für sie eine ganz automatische Begrüßungsfloskel.
Ich kann das nicht begreifen. Wetter ist für mich etwas, was irgendwie wohl stattfindet, mich aber nur ganz indirekt betrifft. Wie die Verkehrspolitik von Neuseeland vielleicht, oder die Wahlen in Belgien.
Menschen, die ihre lange gehegten Pläne umwerfen, weil irgendwer im Radio von einer Regenwahrscheinlichkeit um 80% faselt, sind mir suspekt. Genauso wie Leute, die vorschlagen, dass man doch einen herrlich sonnigen Tag nicht drinnen verbringen könne. Wozu hat die Menschheit jahrtausendelang geforscht, entwickelt und erfunden, wenn wir heute noch wie die Höhlenmenschen unsere Vorhaben davon abhängig machen, ob irgendeine tierköpfige Gottheit die Wolken aufpiekt oder nicht?

Vergesst Netzsperren, vergesst die Bundestagswahl, vergesst Killerspiele. Die Öffentlichkeitsarbeit der Internetcommunitybenutzer hat ein klares Ziel: Draußen darf nicht länger ein rechtsfreier Raum sein.