Meinungsdiktatur

21. Oktober 2016

dictator_charlie1

Manche Sachen werden schlimmer, wenn sie nicht so schlimm sind. Wisst ihr, was ich meine? Also, weniger aphoristisch sollte man vielleicht sagen: wenn sie nicht so schlimm erscheinen. Zum Beispiel Donald Trump. Der wäre vermutlich noch schlimmer, wenn er ein bisschen charismatisch wäre, ein bisschen subtil, ein bisschen weniger offensichtlich unpräsidiabel, oder wie man das nennt. Wenn er raffinierter wäre.

Und unter anderem deshalb fand ich diesen Artikel von jetzt.de besonders schlimm. Weil er eben nicht in PI-Manier so richtig draufhaut und geifernd auf die bekloppten Correctness-Nazis schimpft, sondern so tut, als wäre er ganz vernünftig, und wohlwollend, und nur ein bisschen besorgt wegen einer Entwicklung, die doch nun wirklich zu weit gegangen ist, mal ehrlich, oder? Und das mit der Besorgtheit ist ja nicht umsonst ein bisschen in Verruf geraten. Der Artikel heißt

Die Meinungsdiktatur der Linken

und er wird angekündigt mit dem Teaser

An Unis in den USA schlägt politische Korrektheit in Zensur um. Wer dort genauer hinschaut, versteht auch den erbitterten Wahlkampf besser.

Seht ihr, was ich meine? Also, ja, das ist natürlich jetzt gar nicht so subtil, wie ihr vielleicht dachtet, aber es ist ja auch nur der Anreißer. Und ich hab ja auch gesagt, dass es schlimm wird. Also schmiert euch ein bisschen Menthol unter die Nase und folgt mir in den Sumpf der Political-Correctness-Kritik von Nadja Schlüter für jetzt.de.

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Mehr Fairness im Netz

28. Juni 2014

Ayn Rand hätte ihre Freude, wenn sie noch vom Leistungsschutzrecht erfahren hätte, und mich ärgert das ein bisschen, denn ich gönne es ihr nicht. Sogar in ihrer völlig albernen Karikaturwelt waren die Schmarotzer nicht dummdreister und widerlicher, und obwohl ich nur das eine Buch von ihr gelesen habe, will ich wetten, dass sich in ihrem gesamten Werk kein erbärmlicheres Beispiel dafür findet, wie sich Menschen hinter dem Rockzipfel der Staatsgewalt vor der bösen Welt zu verstecken versuchen und schimpfend und zeternd Leviathan dazu auffordern, die Hand, die sie füttert, doch noch ein bisschen kräftiger zu beißen.

Da ist also diese Gemeinschaft von Verlagen, die sich einerseits einbilden, eine unersetzlich kostbare Leistung zu erbringen, die unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Wert konstitutiv für unsere Gesellschaft und die Demokratie und wahrscheinlich auch für den Fortbestand von süßen Katzenbabys ist und ohne die aber auch wirklich gar nichts mehr ginge, und andererseits der Meinung sind, dass diese Leistung nicht angemessen vergütet wird, weil es da dieses niederträchtige, ebenso dreiste wie durchsichtige Unternehmen gibt, das sie anderen Menschen zugänglich macht, davon profitiert, und ihnen dadurch die Kunden und Umsätze wegschnappt, die sie gerne selbst hätten. Auf allfällige Hinweise, dass es ihnen ja jederzeit frei stünde, ihre kostbaren Inhalte nur noch direkt zu vertreiben und durch wenige Tastendrücke dem Zugriff des niederträchtigen Parasiten zu entziehen, reagieren sie wahlweise gar nicht oder mit unverschämten Lügen, und fordern stattdessen eine gesetzliche Regelung, die ihnen eine zwangsweise Vergütung für die Nutzung ihrer Inhalte garantiert, die ihnen wahlweise entweder sowie schon zugestanden hätte oder jetzt willkürlich allen anderen Produzenten anderer Inhalte vorenthalten wird.

Darauf reagiert – wer hätte das gedacht? – der niederträchtige Parasit mit dem Angebot, die kostbaren Inhalte der Verlage einfach nicht mehr weiter zu verbreiten, gibt ihnen aber auch die Möglichkeit, auf ihren Vergütungsanspruch zu verzichten, wenn er es doch tut. Die Verlage entscheiden sich daraufhin mit überwältigender Mehrheit dafür, den Parasiten weiter machen zu lassen, ohne die Gebühr zu bezahlen, weil sie genau wissen, dass in Wahrheit sie selbst es sind, die bisher  unentgeltlich von der Leistung anderer profitiert haben, und dass sie auf die Leistung des Parasiten nicht verzichten können, wenn sie überleben wollen.

Als den Verlagen klar wird, was passiert ist, und wie unschön das ist, beschließen sie nach einiger Bedenkzeit, dass es ja wohl nicht sein kann, dass so unfassbar unverzichtbare Säulen der Gesellschaft, wie sie es sind, sich jetzt schon entscheiden müssen, ob sie ihren Kuchen essen oder behalten wollen. Wo kämen wir denn da hin? Wutentbrannt fordern sie beides: Der Parasit möge bitte zahlen, und zwar ohne die Möglichkeit, auf die Leistung zu verzichten, von der er angeblich so sehr profitieren soll, was – wir erinnern uns – ursprünglich mal die Rechtfertigung der ganzen Aktion war.

Und die Politik ist natürlich dabei, was sicher nichts damit zu tun hat, dass etwa die SPD erhebliche Teile ihres Vermögens in Verlage investiert hat, so dreist und durchsichtig wären die bestimmt nie. Andererseits ist anders schwer erklärbar, auf wie unverschämte Weise sich zum Beispiel unser Justizminister Herr Maas (SPD) öffentlich auf die Seite der Verlage stellt und nun behauptet, wenn Google aufhören würde, auf unverschämte Weise von den ehrlich im Schweiße ihres Angesichts erarbeiteten Leistungen deutscher Verlage zu profitieren, was – ich denke, man kann nicht oft genug dran erinnern – der ursprüngliche Vorwurf der Verlage war, dann wäre das Zensur, und weiter:

Es kann nicht sein, dass Internet-Giganten ihre Marktmacht missbrauchen, um sich auf Kosten deutscher Verlage zu bereichern. Das ist nicht gerecht, das ist nicht fair.

Wir halten fest: Wenn Google die Inhalte der Verlage (auszugsweise) in seinen Suchergebnissen anzeigt und zugänglich macht, dann profitiert es damit auf unlautere Weise von ihrer Leistung, und wenn Google das nicht mehr tut, dann … auch. Oder so. Und deshalb soll Google zahlen, und zwar ordentlich, und zwar schnell, weil sonst ist das nicht fair.

Und währenddessen fordert unsere Arbeitsministerin Frau Nahles (SPD) eine Ausnahme vom Mindestlohn für Zeitungsausträgerinnen, weil es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können …

Hat noch jemand das Gefühl, dass da irgendwas strukturell kaputt ist?


Pfeifen im Wald, dein Name ist

22. Oktober 2013

Reinhard Müller, und du schreibst natürlich für die FAZ.

Atemlos berichtet Herr Müller:

 In Greifswald waren kürzlich offenbar alle Exemplare dieser Zeitung ausverkauft. 

Und gebannt lauschen wir seiner Geschichte, die uns mit zeitungstypischer Eloquenz bei gleichzeitig enormem Nachrichtenwert entführt in eine fremde Welt, in der … naja…

etwa 200 […] Professoren und Privatdozenten […] auf ihre tägliche gedruckte Stammlektüre nicht verzichten

wollten. Dunnerkeil, denken wir, da hat man es doch tatsächlich im Rahmen einer Sonderveranstaltung geschafft, irgendwo 200 Leute zusammenzutreiben, die gerne noch Papierzeitungen lesen.

Und das ist ja eigentlich auch okay, um mal kurz auf den Boden der Sachlichkeit zurückzukehren. Ich hab ja nichts gegen Zeitungen an und für sich. Ich les sie nicht gerne, weder inhaltlich noch physisch, aber ich gönne jedem sein Vergnügen, und so besonders bald rechne ich auch nicht mit dem Aussterben dieses Mediums. Da gönne ich Herrn Müller seinen pflichtgemäßen Hinweis, der in keinem solchen Text fehlen darf:

wenn man genau hinschaut, so gilt in ganz Deutschland (und in der Welt?): Geredet wird über das, was in der Zeitung steht. Die zahllosen Foren, Blogs oder Kommentare im weltweiten Netz sind oft lediglich Abziehbilder

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„What’s so funny about ‚Bono Vox‘?“

6. Januar 2010

Ich werde keine dummen Witze über seinen Namen oder sein Aussehen machen. Ich werde keine dummen Witze über seinen Namen oder sein Aussehen machen. Ich werde keine dummen Witze über seinen Namen oder sein Aussehen machen. Ich werde keine dummen Witze über seinen Namen oder sein Aussehen machen. Ich werde keine dummen Witze über seinen Namen oder sein Aussehen machen. Ich werde keine…

Oh, ihr seid schon da. Entschuldigung, äh… Also los:

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=Bono&iid=7343648″ src=“2/5/b/9/VEVO_Launches_Destination_9ed6.jpg?adImageId=8799362&imageId=7343648″ width=“500″ height=“569″ /]

Bono Vox… *prustendes, japsendes, wieherndes Gelächter, bei dem die Tränen fließen und zeitweise der Atem stockt*

Puh… Tut mir Leid, Entschuldigung, ich fang mich gleich wieder… *kurzes Gekicher* Verzeihung… Gleich kann ich wieder ernst sein…

*nachdrückliches Räuspern* Also!

Bo- Naja, der Frontsänger von U2 hat in der New York Times geschrieben, dass er für die kommende Dekade stärkere Kontrollen im Internet für wahnsinnig wichtig hält. Er sieht die Provider in der Pflicht, gegen Urheberrechtsverstöße vorzugehen und ihre Kunden mehr zu überwachen. Dass so was problemlos möglich ist, sieht man seiner Meinung nach ganz klar an den edlen Bemühungen der USA im Kampf gegen Kinderpornografie und den unedlen Bemühungen Chinas, abweichende Meinungen zu unterdrücken. Wir alle wissen ja, dass Kinderpornografie praktisch nicht mehr existiert und dass jedwede chinakritischen Äußerungen aus dem Netz getilgt wurden, nicht wahr? Und was für China gut ist, kann doch für eine freiheitlich orientierte Demokratie unmöglich schlecht sein.
Bo- *unterdrücktes Prusten* na, ihr wisst schon, wer, sagt, unter der Gratis-Mentalität im Internet leiden vor allem die Schöpfer kreativer Inhalte, und profitieren tun nur die reichen Internet-Service-Provider, deren Gewinne exakt die verlorenen Einnahmen des Musikgeschäfts spiegeln. Klar. Alles, was ich nicht für kopiergeschützte CDs ausgebe, zahle ich direkt an T-Online, AOL und CompuServe. Ihr nicht?

Ich würde dazu gerne noch mehr sagen, aber ich fürchte, dass ich den nächsten Lachkrampf nicht mehr lange zurückhalten kann.

[via Metronaut; lesenswert auch: Having fixed Africa and AIDS, Bono tackles filesharing, vor allem wegen der Überschrift]


Rub-a-duck-duck

10. Oktober 2009

Lange musstet ihr darauf warten, aber heute ist es endlich soweit, hier ist der erste Bericht über unsere Zeit in Beijing. Ich denke, dass es insgesamt drei werden. Am Nachmittag des 25. September sind wir in Beijing gelandet und wurden wider Erwarten sehr freundlich und schnell von den Polizeibeamten an den Einreiseschaltern abgefertigt, die dort eine kleines Konsole vor sich haben, auf der man per Knopfdruck seine Zufriedenheit mit deren Service bewerten kann.

Meine Erfahrung mit der Internetzensur dort hatte ich schon mal kurz erwähnt, aber vielleicht interessiert sich der eine oder andere von euch ja für mehr Einzelheiten:

WordPress ist komplett blockiert, und Facebook auch. Google Reader geht aber ulkiger Weise, und FAZ darf man auch lesen. Wenn man eine zensierte Seite aufrufen will, gibt es kein Stoppschild und keine Diskussion, nur eine Fehlermeldung. Deswegen habe ich die ersten zwanzig Minuten auch gar nicht richtig verstanden, woran es lag. Als mir dann klar wurde, wo ich war, versuchte ich es spaßeshalber mal via VPN-Verbindung über den Server in Deutschland, und siehe da, plötzlich waren all die schönen bunten Seiten wieder erreichbar.

Aber gewiss wollt ihr nicht nur von der Zensur in China lesen, das hier ist ja nicht das Menschenrechtsblog, sondern ein Reisebericht.

Kein Stoppschild

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Von künstlerischer Empfindsamkeit und religiösen Symbolen

25. September 2009

Für alle, die sich gefragt haben: Ja, wordpress.de ist in China tatsächlich blockiert. Toll. Wer von euch war das? Wer hat hier was Regimekritisches geschrieben und damit riskiert, dass ich neun Tage lang keine neuen Beiträge veröffentlichen kann? Aber ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut und trotzdem einen Weg gefunden, euch den nächsten Reisebericht zu übermitteln, in dem es aber erst mal noch gar nicht um China gehen soll. Bin ja gerade erst angekommen.

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